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Wolfsburger Stadtgespräche – „Schlüsselland Türkei“ in der VHS

„Schlüsselland Türkei“ war am Mittwochabend Thema bei den „Wolfsburger Stadtgesprächen“. Veranstalter waren die Flüchtlingshilfe Wolfsburg e.V. und die Volkshochschule Wolfsburg.

Steffen Kirsch (VHS Wolfsburg; l.), Dündar Kelloglu und Ulrich Raschkowski (Flüchtlingshilfe; r.).

 In der Volkshochschule sprach der in der Türkei geborene Rechtsanwalt Dündar Kelloglu zu den aktuellen und brisanten Themen Menschenrechtssituation und Flüchtlingspolitik in der Türkei und die Bedeutung für Deutschland. Kelloglu spannte einen Bogen vom Osmanischen Reich, hin zu den verschiedenen Militärputschen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zur aktuellen Politik des heutigen Präsidenten Erdogan. Dabei stellte Kelloglu die provokante Frage: „Hat es in der Türkei jemals eine Demokratie gegeben?“ – und beantwortete sie durch seine Ausführungen mit einem Nein.

Deutlich wurde den Zuhörerinnen und Zuhörern, wie komplex das Thema ist. Insbesondere die  Rolle des islamischen Predigers Fethullah Gülen stand im Fokus des Vortrags. Erdogan macht Gülen für den Putschversuch im Sommer letzten Jahres verantwortlich. Für einige Zeit habe es eine Allianz zwischen den Gülen nahe stehenden Eliten in Staat und Gesellschaft und Erdogan gegeben. Vor sieben Jahren sei es jedoch zum Bruch zwischen Erdogan und Gülen gekommen. In Kelloglus Analyse wurde Erdogans Motivlage deutlich: “Er hat Angst vor einem Militärputsch und will deshalb jetzt die ganze Macht.“

Im Anschluss an den Vortrag kam es zu einer engagierten Diskussion mit dem Publikum. Dabei gab Kelloglu eine pessimistische Einschätzung ab: „Ich sehe zurzeit keine Perspektive für eine Demokratisierung in der Türkei.“ Grund dafür sei auch, dass es keine ernst zu nehmende türkische Partei gebe, die sich für Demokratie einsetzt. Klar sei aber auch, so Kelloglu, dass sich eine Mehrheit der Türken Demokratie wünscht.

Weiterdiskutieren konnten alle Besucherinnen und Besucher beim Imbiss mit Köstlichkeiten des VHS-Kochkurses „Falafel begegnet Frikadelle“. Viele Besucher stellten wie Rico Petzold fest: „Durch die Betrachtung der historischen Entwicklung verstehe ich die aktuelle Situation besser.“

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